Sind Sportler die richtigen Vorbilder?


Spitzensportler nehmen in der Gesellschaft seit vielen Jahren, sei es bewusst oder unbewusst, eine Vorbildfunktion ein. Die möglichen Gründe dafür sind vielfältig:
Ist es die herausragende Leistung die ein Athlet erbringt, die hohe Präsenz in den Medien oder der damit verbundene Starstatus der sie so begehrenswert macht?

Der Sport selbst stützt seine Daseinsberechtigung auf ein Konstrukt aus vielfältigen Argumenten. Er liefert laut eigener Aussage unter anderem die Motivation zur Nachahmung, ein spannendes Unterhaltungsangebot für Fans und Interessierte sowie das angesprochene Identifikationspotential für jedermann.
Beim Blick auf die deutsche Sportlandschaft wird schnell ersichtlich dass sich über die Jahre hinweg eine stark ausgeprägte Monokultur entwickelt hat. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass viele Verantwortliche aus den unterschiedlichsten Disziplinen den Zeitpunkt versäumt hatten, sich an den veränderten Gegebenheiten der Branche, sei es aus professioneller als auch ökonomischer Sicht, zu orientieren und darauf basierend neu einzustellen.
Die Defizite vieler Sportdisziplinen sind deshalb deutlich zu erkennen. Verwässerte Strukturen im Ligen- oder Turnierbetrieb entwerten gewonnene Titel und führen zu einem immer weiter schwindenden Interesse. So kommt es nicht selten vor, dass eine Deutsche Meisterschaft, ein Europameistertitel oder sogar ein Weltmeister nicht einmal mit einer Randnotiz in den Medien gewürdigt wird. Darüber hinaus fehlen die Gesichter in der Öffentlichkeit die stellvertretend für den Erfolg einheimischer Sportler stehen und für den Nachwuchs den Anreiz schaffen einen ähnlichen Weg einzuschlagen und diesen konsequent und sorgenfrei gehen zu können. Die Gesellschaft braucht Vorbilder die Orientierung geben und alternative Möglichkeiten aufzeigen, die einen Mehrwert liefern und dafür gleichzeitig auch anerkannt werden müssen. Die Realität ist, dass der Sport längst nicht mehr ein reiner Leistungsvergleich einzelner Athleten oder Mannschaften ist, sondern vielmehr auch zu einem Geschäft geworden ist, an welches eine Vielzahl an Existenzen geknüpft sind.
Dabei stellt sich die Frage inwiefern Sportler tatsächlich noch eine Vorbildrolle erfüllen können. Wie wird der tatsächliche Erfolg vor dem Hintergrund der genannten Entwicklungen heute noch definiert?

Sind es die Gehälter, die öffentliche Vermarktung, der Ruhm und die Liebe der Fans die ein Nacheifern motivieren oder sind es die unzähligen Trainingsstunden und emotionalen Achterbahnfahrten die möglicherweise am Ende einen Triumph für die Ewigkeit bescheren, welche jemanden antreiben sein Leben einer einzigen Disziplin zu widmen.
Die Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und der Sport selbst müssen einen Weg finden, eine vermehrt heterogene Sportlandschaft zu schaffen. In der sowohl klar kommuniziert wird als auch Anreize geschaffen und Werte vermittelt werden, die junge Menschen animieren und die Gesellschaft als solche inspirieren, gleichzeitig aber auch den direkt beteiligten Akteuren Chancen offenbart, sich dem Leistungssport in allen Bereichen verschreiben zu können ohne dass dabei ihre Zukunft und das Leben nach der Karriere zum Nachteil wird.

S.M.